Tourismus
Die Geschichte des Fremdenverkehrs auf Madeira hat ihre Anfänge nicht erst in jüngerer Zeit. Man kann sagen, dass der Madeira-Tourismus einsetzte, noch bevor man überhaupt an Tourismus dachte. Die Anfänge waren zunächst auf das Klima zurückzuführen, beruhten aber auch schon auf der landschaftlichen Schönheit dieser Insel.
Dr. Herberden war der erste, der bereits 1751 das Klima Madeiras sehr positiv beurteilte, worauf sich im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts viele Autoren von Reisebüchern und später Reiseführern bezogen und die Vorzüge dieses Klimas hervorhoben.
Schnell verbreitete sich in Europa und später in Amerika der aussergewöhnliche Ruhm von der Milde des Klimas auf Madeira, von der Bedeutung seiner guten Luft, und schliesslich gab es sogar Empfehlungen, die Insel als Kurort für Schwindsüchtige und Tuberkulosekranke zu nutzen.
Unzählige Besucher aus den verschiedensten Ländern kamen, einige unter ihnen entstammten sogar dem europäischen Königsadel. Aber vor allem die Engländer waren es, die vorwiegend die Heilwirkung der Insel nutzten, insbesondere seit Beginn des 18. Jahrhunderts. In der Tat kann man sagen, dass die Beförderung Madeiras zu einem Reiseland weitgehend den Engländern zu verdanken ist, so u.a. auch durch die Stiche (gravuras) und die bekannteren Drucke (estampas) von den Landschaften Madeiras. Diese Drucke, die aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen und deren Eingebung und Ausführung rein englischen Ursprungs sind, waren ein glaubwürdiges Medium der Werbung für die Schönheiten der Insel.
Zu jener Zeit wurde Madeira für gewöhnlich als Aufenthaltsort während der Wintermonate angesehen. In einer darauffolgenden Phase, nachdem die Fälle von Tuberkulose zurückgegangen waren, wurde der Winter auf der Insel zu einer Saison der Erholung erkoren. Somit entwickelte sich die touristische Situation von einer anfangs therapeutischen hin zu einer Art, die in der Tat als unternehmungsorientiert bezeichnet werden kann, d.h. Madeira wurde zu einem “Erholungsort”. Heutzutage befindet sich Madeira als ganzjähriges Urlaubsziel vollständig in einer “touristischen Phase”, dank des aussergewöhnlichen Klimas und der schönen Landschaften, welche die moderne “Freizeitgesellschaft” durchaus zu schätzen weiss.
Die Unterbringungskapazität der Region nähert sich an die 24.000 Betten, die sich auf 250 Hotels und auch Ferienunterkünfte im ländlichen Bereich verteilen. 60% der Hotelanlagen verfügen über 4 oder 5 Sterne. In Funchal konzentrieren sich etwa 15.000 Betten; die übrigen verteilen sich auf die gesamten Bezirke der Region: Santa Cruz, Machico, Santana, São Vicente, Porto Moniz, Calheta, Ponta do Sol, Ribeira Brava, Câmara de Lobos und Porto Santo.
Alle Hotelanlagen zeichnen sich traditionell aus durch Gastfreundschaft, persönlichen Service, guten Geschmack und hohen Qualitätsstandard. Der Besucher hat die Wahl zwischen ausgesuchter, Jahrhunderte alter Hoteltradition und modernsten Hoteleinrichtungen, oder kleineren Einrichtungen im ländlichen Bereich, die einen engeren Kontakt zur Bevölkerung und Natur erlauben.
Neben einem Seehafen, dem Hafen von Funchal, verfügt Madeira über einen internationalen Flughafen mit mehreren Flügen täglich von und nach Lissabon und mit Charterflügen aus verschiedenen europäischen Ländern.
Am 15. September 2 000 wurde in der Region der größte und komplexeste Bau eingeweiht, der in Portugal bisher ausgeführt wurde und eine große strategische Bedeutung für die Region hat - der Flughafen Madeira.
Der Zugang zum Reiseziel Madeira hat jetzt keinerlei Einschränkungen mehr. Alle Arten von Passagierflugzeugen einschließlich der B-747 und Maschinen mit einem Gewicht von 400 Tonnen können hier jetzt starten und landen. Interkontinentalflüge gehören jetzt zum Alltag.
Die Häfen von Funchal und Porto Santo werden von zahlreichen Kreuzfahrtschiffen angelaufen. Die entsprechenden Jachthäfen beherbergen Segler und Jachten verschiedenster Herkunft und sind Schauplatz vieler internationaler Regatten.
Die Ausflüge ins Innere der Insel sind aufgrund des in den letzten Jahren ausgebauten, modernen Straßennetzes heute kein Problem mehr. Einschneidende Veränderungen des Straßenbaus verliefen in den verschiedensten Bereichen der Insel und verbinden sowohl den Westen mit dem Osten als auch den Norden mit dem Süden. Das Angebot für die Personenbeförderung auf der gesamten Insel ist vielfältig, und eine ansehnliche Flotte an Reisebussen, jede Menge Taxis sowie ein Hubschrauber bieten eine komplette Auswahl. Ein umfangreiches Ausflugsprogramm zu Land und zu Wasser stellt alle Ansprüche zufrieden. Die Insel Porto Santo ist auf dem Luftweg zu erreichen, oder mit einer Fähre, die auch den Transport von Fahrzeugen erlaubt.
Der Fremdenverkehr ist heute eine der Hauptquellen der Wirtschaft auf der Insel, obwohl Madeira Weine, Schnäpse, Liköre, Fruchtsäfte, Bananen, Korbwaren, Stickereien, Fischkonserven sowie tiefgefrorenen Fisch ausführt und auch noch Tabak herstellt. Darüberhinaus werden Milchprodukte sowie eine bestimmte Papiersorte produziert.
Man erinnere sich - dies als geschichtliche Information - dass der erste Flug nach Madeira in einem Wasserflugzeug bewältigt wurde, und zwar am 22. März 1921 durch Gago Coutinho, Sacadura Cabral und Otins Bettencourt Souhiram.