Folklore
Die eigentliche Volkskunst des madeirensischen Volkes in ihrem lebhaften und kuriosen Ausdruck ist im Verschwinden begriffen.
Demungeachtet bewahrt Madeira, aufgrund seiner geographisch isolierten Lage, quasi als Archiv, eine umfangreiche und bedeutende Sammlung echter Folklore, die von frühen europäischen Quellen bis in unsere Zeit reicht.
Während im ersten Viertel unseres Jahrhunderts das folkloristische Brauchtum noch das ganze Jahr über gepflegt wurde, besonders lebhaft zum Abschluss anstrengender landwirtschaftlicher Arbeiten (Weinlese, Ernte, Behacken des Weinbergs etc.) sowie anlässlich der religiösen Feste, Kirchweih- und Volksfeste, beschränkt sie sich heute fast ausschliesslich auf die von sogenannten Folkloregruppen vorgetragenen Tänze und Volkslieder. Obwohl einige Folkloregruppen einen noch eher unverfälschten und traditionellen Charakter bewahren, gibt es andere, die nichts mehr mit der eigentlichen Folklore der Insel gemein haben; es handelt sich lediglich um modernisierte Fassungen.
Es versteht sich von selbst, dass der Versuch unternommen wird, bestimmte traditionelle Charakteristika zu bewahren und weiterzutragen, wie z.B. den “bailinho” (Volksweise) mit Gesang und Musikbegleitung und den bekannten “despique” (ungebundene Vierzeiler, die von zwei sich abwechselnden Sängern improvisiert werden). Sie werden für die Touristen von den schon erwähnten Folkloregruppen dargeboten und stellen die eigentliche Folklore der Insel dar.
Die gebräuchlichen traditionellen Instrumente (rajão, braguinha, viola de arame, rebeca: verschiedene Fiedelarten) sowie die traditionell bunte Tracht, die man für gewöhnlich an den Blumenverkäuferinnen sowie bei einigen Folkloregruppen sieht wie auch der weisse Anzug der Männer scheinen ihren weit zurückliegenden Ursprung in Nordportugal zu haben, insbesondere in der Gegend von Minho, wobei vermutet wird, dass die Einführung von verschiedenen Orten ausging. Gleichermassen hat der bekannte “brinquinho”,ein sehr gebräuchliches und auf Madeira hergestelltes Instrument,seinen Ursprung in Minho.