Funchal, Stadt des Zuckers
Aufangs widmete man sich dem Getreideanbau, und dank der Fruchtbarkeit des Bodens reichte dies nicht nur zur Versorgung der Inselbewohner, sondern darüber hinaus konnte auch auf das portugiesische Festland exportiert werden sowie die portugiesischen Flotten auf ihren Expeditionen nach Afrika verpflegt werden. Der Anbau von Zuckerrohr und Wein liess jedoch auch nicht lange auf sich warten.
Wie es scheint, wurde das aus Sizilien eingeführte Zuckerrohr in der ersten Zeit von Hand ausgepresst oder mit Hilfe einer von Tieren getriebenen Presse (trapiche).
Schliesslich baute man 1425 die erste von Wasserkraft getriebene Mühle zur Zuckerverarbeitung, gelegen im Flusstal von Santa Luzia am mittleren der drei Flüsse, die Funchal durchqueren.
In nur kurzer Zeit gelangte der Ruf Madeiras als Produzent von erstklassigem Zucker nach ganz Europa. Schon in den 60er Jahren des 15. Jahrhunderts wurden grosse Mengen des geschätzten “weissen Goldes” nach England und insbesondere nach Flandern ausgeführt.
Schon frühzeitig machte Madeira wegen seiner günstigen Lage den beiden mächtigen Republiken Genua und Venedig Konkurrenz, die den Zucker von der Levante nach Europa brachten. Und der Zucker, der bis dato als Luxusartikel galt und ausschliesslich an den königlichen Höfen oder in herrschaftlichen Häusern genossen wurde, wurde nun in grösseren Mengen hergestellt und war somit breiteren Bevölkerungsschichten in Europa zugänglich.
Angezogen vom Zuckerhandel kamen Händler und Leute aus den verschiedensten Ländern nach Funchal und trugen sehr zu seiner Entwicklung bei, so dass es in der Mitte des 15. Jahrhunderts schon eine Kleinstadt war und 1508 von König Manuel I die Stadtrechte erhielt.
Somit war Funchal die erste Stadt, die von Europäern auf den geheimnisvollen und neuentdeckten Gebieten im Atlantik gegründet worden war.
Eine andere Folge des regen Zuckerhandels war die Einrichtung einer festen Seeroute zwischen Europa und den neuen Atlantikgebieten. Man segelte nach Madeira oder genauer nach Funchal, wo sich der einzige Hafen befand, mit dem ausschliesslichen Vorsatz, mit Zucker zu handeln.
Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts exportierte man dann regelmässig Zucker nach Portugal, England, Flandern, in die Bretagne, nach la Rochelle, Rouen, Genua, Venedig, Rom und Konstantinopel.